360°

Veränderung erscheint in unserer Gesellschaft oft im Kontext mit etwas Negativem. Es heißt zum Beispiel „Sie/Er habe sich zu sehr verändert, als dass man noch mit- einander auskommen könne“. Aber wieso muss eine Veränderung laut Masse denn zwingend etwas Schlechtes sein? Wenn wir uns nicht (ver-)ändern, entwickeln wir uns nicht und wenn wir uns nicht entwickeln, leben wir eigentlich garnicht richtig. Manchmal ist es nicht das, was wir wollen. Aber genau das, was wir in diesem Moment brauchen. Dann fühlt es sich an, als würde unsere Welt auseinanderfallen, obwohl sie sich nur neu sortiert. Und manchmal..da wünschen wir uns eine radikale Wendung weil wir das Gewohnte nicht mehr ertragen und ausbrechen wollen. Wir müssen nicht die Alten bleiben, um es anderen Recht zu machen und sollten nicht in der Gewohnheit verweilen, nur aus Angst in einem neuen Umfeld keinen Anschluss zu finden. Es gibt Dinge im Leben die nicht zum Bleiben bestimmt sind, was be- deutet, dass du in Zukunft ein stolzes Lächeln auf den Lippen tragen solltest wenn dir jemand vorwirft, du hättest dich so sehr verändert, statt dir einreden zu lassen, dass dies etwas ist, wofür du dich schämen musst. Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen – Du hast es selbst in der Hand. Wie ich zu all‘ dem gekommen bin? Das erfährst du jetzt.

Mein erstes Instagramfoto am 28. April 2013: Edle italienische Plateau-Peeptoes in Beige mit 17cm Pfennigabsatz – Damals meine ständigen Be- gleiter und heute die Staubfänger im hintersten Teil meines Schuhschranks. Wenn ich mir die Mörder- heels heute anschaue, fühle ich zum einen Bewunderung, zum anderen ein großes Fragezeichen, welches in meinem Kopf schwebt. Bewunderung dafür, wie ich es angestellt habe, mich damals auf jede Veranstaltung zu schmuggeln, ohne dass auch nur eine Person jemals mein wahres Alter erraten hätte und das Fragezeichen für die Frage: Warum eigentlich? Um jeden Preis wollte ich älter sein, viel Geld be- sitzen, andere beeindrucken und einen gewissen Status erlangen. Mein Kleider- schrank bestand fast nur aus Cocktailkleidchen und hohen Schuhen und die Wunschliste an Luxusartikeln und Markenware war länger, als eine Kassenschlange zur Vorweihnachtszeit. Ich wollte mich nur von meiner guten Seite zeigen und lebte in einer perfekten Scheinweltblase, die platzte als ich realisierte, was wirklich zählt.

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Im Oktober 2015 passierte dann das, womit niemand in meinem Umfeld damals gerechnet hätte. Ich. In einem heruntergekommenen Technoclub. Umgeben von Menschen die seit 3 Tagen feierten und Bässen, die einem das Herz aus der Brust hämmerten. Wie ich dort landete?
Meine beste Freundin Melanie, die auch heute noch jeden Tag an meiner Seite ist, hatte an diesem Tag Geburtstag. Ihr damaliger Freund überredete sie zu feiern, nachdem sie eigentlich keine Lust dazu hatte. Zu meiner Motivation für den Abend muss ich sicherlich nicht viel erzählen. Zum einen hatte ich den ganzen Tag bei einer Kaufhauseröffnung gearbeitet und war sehr müde, zum anderen war ich der festen Überzeugung nicht lebendig aus dem Laden zu kommen. Als wir in der Garderoben- schlange standen, klammerte ich mich ängstlich an Melanie, hatte tatsächlich Angst, jemand würde mich grundlos verprügeln oder ausrauben wollen während die Meute vor uns hektisch darüber diskutierten, wo man Lollies kaufen könne. Nach einer Weile versuchte ich, das Ungewohnte einfach zuzulassen und mich mit der Umgebung anzufreunden, auch wenn es ein komplett neues Umfeld für mich war. Siehe da; Ich hatte unendlich viel Spaß. Der Abend nahm seinen Lauf und ich setzte mich zu später Stunde auf eine völlig verratzte Couch um das Treiben zu beobachten:

>> Meine Welt stand Kopf und ich war sprachlos, weil sie so herum irgendwie besser aussah. <<

In den Wochen und Monaten darauf, schlich sich langsam eine Veränderung in mein Leben. Die Champagner-Gläschen fingen an nach Arroganz zu schmecken, hohe Schuhe bereiteten mir nurnoch Schmerzen statt ein tolles Lebensgefühl, in meinem damaligen Lieblingsclub fühlte ich mich bei je- dem Schritt unangenehm beobachtet und „Makel“ empfand ich plötzlich eher als coole Markenzeichen. Wenn ich heute zurückblicke, kann ich kaum verstehen wie ein dicker Geldbeutel und ein nobler Status mich jemals beeindrucken konnten und von einem Leben träumte, das fern von Realität und wahrem Glück lag. Heute weiß ich, dass einem der schönste Ausblick mit dem teuersten Schampus nichts bringt, wenn man den Moment mit der falschen Seele teilt. In Anbetracht meines Alters und der Tatsache, dass jeder von uns Phasen durchlebt, verüble ich mir das aber nicht. Im Gegenteil: Ich bin stolz auf meine Entwicklung.

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Du hast es selbst gelesen: Die Szene war/ist ein großer Bestandteil meiner Veränderung von Mindset, Musikgeschmack und persönlichem Stil, trotzdem möchte ich sie nicht in den Himmel loben. Sie wirft auch Schatten, die man erst sieht, wenn man sich umdreht. Auch die beliebte und typische Aussage, alles sei so friedlich und unvoreingenommen möchte ich an dieser Stelle – zumindest für mich persönlich – ganz klar verneinen. Die an- fänglichen Eindrücke trügen oft, denn letztendlich gibt ÜBERALL tolle Persönlichkeiten und solche, mit denen man vielleicht eher weniger am Hut haben möchte. Ist schließlich auch in Ordnung.

Wenn du dich veränderst, beeinflusst das alle Bereiche in deinem Leben: Deine Lebenseinstellung, deinen Style, deinen Musikgeschmack, deinen Freundeskreis, deine Partnerwahl und vielleicht sogar deine Ernährung. Du wirst dabei oft auf Kritik und Unmissverständnis deines gewohnten Umfelds stoßen, vielleicht wirst du dich manchmal sogar selbst fragen, was du hier eigentlich machst. Wenn ich dir an dieser Stelle eines mit auf den Weg geben darf, dann ist es definitiv, dass du dich nie- mandem gegenüber rechtfertigen musst, nicht einmal gegenüber dir selbst. Nimm die Dinge wie sie kommen, trauer keinen Menschen hinterher, die sich wegen Oberflächlichkeiten von dir abwenden und akzeptiere das Gefühl, manchmal nicht zu wissen, in welche Richtung du gehst. Früher oder später setzt sich das Puzzle selbst zusammen und dann wirst du wissen, wieso die Dinge so ge- kommen sind, wie sie sollten.

Das Leben ist wie eine Leinwand. Jeden Morgen kannst du dir aussuchen, ob du am alten Bild weiter malst oder ein Neues beginnst.