Couchella auf Balkonien

Über eine Digital Detox-Kur oder auch Social Media Pause denke ich jedes Jahr spätestens 2 Tage vor Beginn des weltbekannten Coachella Festivals nach. Warum? Weil bereits dann alles voller identischer Bilder ist, egal ob ein Throwback-Foto vom letzten Jahr das aussehen wird wie eines von diesem Jahr oder ein Bild aus der First Class der Fluggesellschaft, die den Trip sponsert. Selbstverständlich mit den Hashtags #onmyway und #coachella. Wieso ich behaupte, dass ich auf meinem Balkon mehr Spaß haben kann als manche Besucher des gehyptesten Events des Jahres? Das verrate ich euch in diesem Post!

Auf einem Musikfestival geht es primär um die Musik, oder? Scheinbar nicht dort, obwohl das Festival ein so tolles und vielfältiges Lineup zu bieten hat, das wirklich jeden zum tanzen bringen sollte. Und das auch mal eine halbe Stunde ohne Handy. Mein Eindruck durch die Beiträge die mir ins Auge stechen: Hauptsache dabei sein. „Schaut mal wen ich heute getroffen habe und wie viel Spaß wir hatten!“ – Das Coachella ist ein Zusammentreffen von Promis und Bloggern, eine Schnitzeljagd nach Paparazzis und Streetstylefotografen, die ihre Outfits in die Fashionmagazine bringen und dadurch für mehr Popularität sorgen. Dafür werden selbstverständlich die Besten Designer-Outfits aus dem Schrank gepackt, welche dann auch mal schnell bis zu 5.000€ kosten können. Für Normalverdiener beginnt dann erst einmal die Suche nach ähnlichen Kleidungsstücken die man sich auch leisten kann. Damit die Teile, die hinterher sowieso kein zweites mal getragen werden, auch bloß nicht schmutzig werden, ist das gesamte Gelände, insbesondere natürlich die VIP-Bereiche, jeden Tag fein säuberlich geputzt.

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Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch. Nicht jeder der das Coachella besucht ist berühmt oder möchte sich präsentieren. Ganz im Gegenteil: Ich bin mir sicher, dass das Festival viele normale Besucher hat. Aber worum es für mich bei einem Festival wirklich geht? Mit einem kühlen Bier auf dem Boden vor der Bühne sitzen, gern umringt von Pappbechern und Müllresten, mich mit anderen unterhalten und tanzend nach oben springen sobald der DJ oder Künstler einen Track spielt, der mich nicht mehr still sitzen lässt. Während diesem Erlebnis, ist es dann selbstverständlich auch erlaubt, Erinnerungsfotos zu knipsen oder Videos aufzunehmen, die man sich noch lange Zeit nach dem Festival grinsend, voller Bilder im Kopf, anschauen wird. Aber eine Veranstaltung nur zu besuchen, um zeigen zu können, dass man auch dort gewesen ist und einen Boho-Style zu präsentieren den man den Rest vom Jahr überhaupt nicht trägt, ist absoluter Bullshit. Das kann ich, wie ihr sehen könnt, auch auf meinem Balkon machen oder einfach meinen Liegestuhl ausbreiten, mich mit Jogginghose in die Sonne legen und in Ruhe der Musik aus meinem MP3-Player lauschen.

Auch ich saß die letzten Jahre jedes mal erneut traurig vor meinem Smartphone und betrachtete mit Neid die Bilder vom Coachella. Wieso ich es jetzt nicht mehr tue? Weil ich verschiedene Faktoren selbst erlebt habe und dadurch bewerten konnte. Beginnen wir bei den Kosten. Schon für ein Festival in Deutschland gebe ich durchschnittlich 2 bis 300 Euro aus; Ticket, Fahrtkosten, Verpflegung, evtl. Übernachtung usw. Jetzt stellt euch vor, was das Coachella kostet, wenn allein das Ticket bereits einen satten Preis von 400 bis 1000€ hat. Das wäre mir der Spaß einfach nicht wert, zumal ich mir sicher bin, dass es Festivals gibt, auf denen ich mehr Spaß hätte. Ein weiterer Faktor: Ich könnte mir als Blogger das Geld durch Kooperationspartner wieder reinholen, mir den Trip sponsern lassen oder sogar am Ende noch Gewinn machen. Aber mit welchem Sinn? Ein Festival soll für mich ein Erlebnis sein, kein Job. Ich will hin, weil ich dort jede Menge Spaß haben kann und nicht in Stress geraten, weil ich ständig im Kopf habe, wieviele Bilder ich für meinen Auftraggeber noch knipsen, bearbeiten und mit der entsprechenden Verlinkung hochladen muss. In Anbetracht dessen habe ich irgendwann realisiert, dass unsere Social-Media-Vorbilder auf dem Coachella mehr Arbeit betreiben, als privat Spaß zu haben, die Bilder und Videos aber etwas anderes für uns vermitteln. Wenn ich also meine 3 engsten Freunde zu einer Balkonparty einlade, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir dort mehr Spaß haben als so manch ein Besucher auf einem der berühmtesten Festivals der Welt.

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Fazit:
Ich war selbst nie auf dem Coachella und weiß auch nicht ob es mich noch dorthin ziehen wird. Dieser Post war nicht zum schlecht reden da, denn ich bin mir sicher, dass das Festival auch viele tolle Seiten zu bieten hat und es mit den richtigen Menschen, wie überall sonst auch, zu einem unvergesslich tollen Erlebnis werden kann. Allerdings wird bei all den tollen, positiven Beiträgen auf Instagram & Co. oft vergessen, dass nur die gute und vorallem bezahlte Seite beleuchtet wird. Ich will ein wenig Trost schenken für alle, deren größter Traum das Coachella ist, welcher dieses Jahr wieder nicht in Erfüllung gehen konnte. Seid nicht traurig! Eine Veranstaltung bei der es um Prestige geht, ist die Aufregung nicht Wert. Authentische und dadurch tolle Festivals findet ihr fast überall, auch in Deutschland!