Hass ist ein selbstgebautes Gefängnis

Jemanden für das was er einem angetan hat hassen zu können, würde alles einfacher machen. Schließlich hört man das überall; das Dinge einfacher werden wenn man sie mit Wut statt mit Trauer bewältigt. Dachte ich. Und wenn man dem anderem seine Untaten immer und immer wieder innerlich unterstellt fühlt man sich befriedigt. Befriedigt von der Tatsache, an dem was passiert ist keine Schuld zu tragen weil schließlich der andere so ein schlechter Mensch ist. Auf Vergebung kann man scheißen! Dachte ich.

Hass ist eine der stärksten Emotionen, die ein Mensch fühlen kann. Es bedeutet nicht, jemanden nicht zu mögen oder jemanden nervig zu finden. Wenn wir wirklich abgrundtief hassen, können wir nicht aufhören an diese Person zu denken und uns in Gedanken sogar auszumalen, diesen Menschen zu verletzen oder zu demütigen. Es ist sehr anstrengend, so viel Negatives zu fühlen und nicht in der Lage zu sein diesen emotionalen Klotz, den wir dabei ständig mit uns herumtragen, loslassen zu können. Wir spielen Szenen in unserem Kopf durch und merken dabei, wie unser Herz schneller schlägt. Bei mir persönlich ist es die Vorstellung einer Begegnung: Wie im Strobo der Samstagnacht plötzlich ein Gesicht auftaucht, mein Drink anfängt nach Verrat zu schmecken und ich diesen mit voller Wucht in Richtung der Gestalt werfe, die mich verschämt anstarrt. Das Zerspringen des Glases reißt mich aus meinem Tag(alp-)traum und ich muss wieder einmal feststellen: Die Scherben landen keineswegs in Richtung der Gestalt. Sie fliegen direkt zu mir selbst und bohren sich in mein Herz, welches vor lauter Wut beinahe aus meiner Brust fällt. Mit dem Hass den wir gegenüber anderen empfinden, ersticken wir uns sozusagen selbst. Wir rauben uns wertvolle Kraft, ohne es zu merken. Die negativen Schwingungen fallen auf uns zurück oder lassen uns zurückfallen, statt zu einer guten Energie umgewandelt zu werden. Wer das ändern möchte, sollte sich dem Ursprung seiner Gefühle bewusst werden:

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Foto: www.sinahbruckner.com – Das Fotoshooting  fand in einem verlassenen Schlosshotel statt. In den leeren Räumen war es gespenstisch ruhig und es herrschte eine unangenehme Atmosphäre. Hass = Leere – Das passt doch irgendwie?


„Wenn wir damit beginnen uns denen aufzuopfern, die wir lieben, werden wir damit enden, die zu hassen, denen wir uns aufgeopfert haben.“
– Inspiriert von George Bernard Shaw

Klingt irgendwie als seien wir an unseren negativen Gefühlen selbst Schuld. Sind wir das? Was dieses Zitat beschreibt, entspricht dem typischen Aktion – Reaktion Prinzip: Ohne Liebe kein Hass. Denn Hass ist die Liebe, die gescheitert ist. Niemals könnten wir eine so starke Emotion gegenüber eines Menschen empfinden, den wir nicht kennen, denn Gefühle erfordern einen persönlichen Bezug,…eine Geschichte. Liebe bedeutet Opfer bringen und wenn wir feststellen, dass ein Mensch diese Aufopferung nicht wert war, wollen wir zurückholen, was einst uns gehörte. Egal ob der Expartner der sich als Stadtmatratze entpuppte oder die „beste Freundin“ die einen im Stich gelassen hat – Der Wahrheit ins Auge zu blicken tut weh und ehe wir uns versehen, macht der Hass, der uns helfen sollte etwas schneller zu verarbeiten, uns selbst kaputt. Ganz genau wie mit dem geworfenen Glas aus meiner Vorstellung, erinnerst du dich?

5Foto: www.sinahbruckner.com

Um dir zu erklären, wie du deinen Hass in Energie umwandeln kannst, möchte ich mich auf folgende Tatsache beziehen: Das Vergangene ist nicht mehr rückgängig zu machen. Vergangenheit bewältigen heißt nicht, die Dinge die geschehen sind, ungeschehen zu machen. Es heißt auch nicht, alles zu vergessen und zu verdrängen. Es heißt vielmehr, vom Vergangenem loszulassen, indem wir zu VERGEBEN lernen. Damit meine ich keinesfalls, dass du den Menschen die dir Unrecht getan haben freudig in die Arme springen sollst. Vergebung bedeutet nicht notwendigerweise, jemanden von seiner Schuld loszusprechen.Vielmehr geht es darum, dir selbst zu erlauben, loszulassen und weitermachen zu dürfen. Dazu gehört auch, dass du akzeptierst, was dir angetan wurde. Selbstzweifel und Schuldgefühle sind kontraproduktiv und sorgen für unnötige Grübeleien. Du verzeihst also vielmehr für dich selbst, als für andere. Es bedeutet, dass du die Vergangenheit und den damit verbundenen Menschen hinter dir lässt und dir damit Tore der Freiheit öffnest um wieder ein glückliches, gesundes Leben leben zu können. Der Blick in die Zukunft ermöglicht dir das Ausschöpfen einer positiven Energie, welche dich ab jenem Tag begleiten wird.

>> Als ich aus der Zelle durch die Tür in Richtung Freiheit ging, wusste ich, dass ich meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen musste, oder ich würde mein Leben lang gefangen bleiben. <<
– Nelson Mandela