(M)eine zweite Familie – Worauf es wirklich ankommt.

„Friendship Goals“ sind nicht die Inhalte der Bilder auf Facebook, bei denen zwei Frauen mit einem Glas Champagner über den Dächern von Santorini ihr 5-Sterne Frühstück genießen, sondern der Moment, wenn deine beste Freundin und du lachend in euren Geldbeuteln nach den letzten Cents kramt um euch gemeinsam noch etwas vom Bäcker leisten zu können,ehe eine lange Partynacht ihr Ende findet. Zugegeben, der Ibiza Urlaub diesen Monat war nicht ganz günstig und ohne das passende Budget wäre so eine fette Geburtstagsparty nicht möglich gewesen aber letzten Endes merkte ich auch bei dieser Reise wieder ein mal: Es geht nicht darum, wohin du gehst sondern mit wem du dort bist. Ohne die besonderen Freundschaften, die auf Ibiza von uns gefeiert wurden, wäre dieser Ort nur eine weitere schöne Insel auf diesem Planeten gewesen. Nicht mehr. Und nicht weniger.

Kaum etwas macht mich glücklicher als mich Freitag Abend nach einer anstrengenden Arbeitswoche die 5000 Treppen zur Wohnung meines Schatzes hinauf zu quälen um völlig verschwitzt und außer Puste an der Haustür mit dem „Miau“ ihrer Katze begrüßt zu werden. Ihrer? Genau richtig. Mit „Schatz“ meine ich nicht etwa einen super knackigen Traumprinzen sondern eine meiner engsten Freundinnen, Iryna, die den Empfang der Gäste ihrer Katze überlässt und meist ihre goldenen Haare bürstet, wenn ich mit meiner übergroßen XXL-Wochenendtasche zur Tür hereinplatze. Früher hatte ich nie geglaubt, Freundschaft mehr als die Liebe in Form einer Beziehung werten zu können. Heute weiß ich, dass gute Freunde wichtiger und schöner sind, als so manch‘ eine Lovestory. Anders als vielleicht erwartet, gibt es in diesem Beitrag keine große, poetische Definition dessen, was wahre Freundschaft für mich bedeutet. Viel mehr möchte ich nun drei Punkte ausführen, die mich Freundschaft haben verstehen lassen und dir hoffentlich helfen, dein Bewusstsein bei diesem Thema zu erweitern.


„as your best friend i swear to always pretend to be your lesbian lover when you are getting hit on by a weird stranger in a bar“

 

1. Zeit spielt keine Rolle.
„Wir kennen uns noch aus dem Kindergarten!“ – Ich bin mir sicher, dass du diesen Satz schon öfter gehört hast. Wenn du selbst keine beste Freundin hast, die dich schon dein Leben lang begleitet, wirst du dich bestimmt gefragt haben, wieso das so ist. Meiner Meinung nach, können Kindergartenfreundschaften nur aus zwei Gründen weiter bestehen: Durch das Beisammensein in jeder Altersgruppe hat man sich ausschließlich gemeinsam und nicht als Individuum weiterentwickelt ODER die beiden Individuen, wie unterschiedlich sie auch sein mögen, haben es tatsächlich nach Zickenzeit (auch Pubertät genannt) & Co. geschafft, sich nicht gegenseitig die Haare vom Kopf rupfen zu wollen. Freunde sind, wie jeder andere Mensch der dir begegnen wird, Lebenszeitbegleiter. Das heißt, dass sie dich durch eine bestimmte Zeit in deinem Leben begleiten und dabei eine Rolle für das große Ganze spielen; Dir eine Zeit verschönern oder dich lehren. Vergleichbar zum Beispiel mit verschiedenen Kapiteln in einem Buch. Die Hauptrolle spielst du, während Nebenrollen auftauchen und wieder verschwinden. Es sei denn, sie sind ein sehr wichtiger Inhalt der Geschichte, sodass sie Teil jedes Kapitels werden. Neben der Zeit, spielt auch die Quantität keine große Rolle. Ich selbst habe zum Beispiel, anders als es hier vielleicht wirkt, sehr wenige, enge Freunde. Kenne aber zum Beispiel eine Menge Leute mit denen ich einfach gern Zeit verbringe und die ich trotzdem auf gewisse Weise in mein Herz geschlossen habe. Beides ist Ok! Wichtig ist nur, dass du dich wohl fühlst und die Menschen in deinem Umfeld dein Leben bereichern, statt es zu belasten. Auch hier gilt: Zeit bestimmt nicht, wie eng oder gut die Freundschaft zwischen dir und einer anderen Person ist. Es geht um die Momente die ihr gemeinsam erlebt und teilt. Um die Erlebnisse, die euch den Atem geraubt haben und nicht um die Anzahl der Atemzüge, die ihr gemeinsam gemacht habt.

Ich persönlich habe keine Freunde mehr, die mich bereits mein Leben lang begleiten, bin aber auch kein Stück traurig darüber. Viel mehr schätze ich es, in nur knapp einem Jahr so viele neue, tolle Menschen kennengelernt zu haben, die ein wichtiger Teil von mir geworden sind. Ich mache mir keine Gedanken darum, ob sie es weiterhin bleiben sondern genieße, dass sie jetzt in der Gegenwart da sind und ich mit Ihnen gerade die Zeit meines Lebens habe.

Kurz bevor wir bei der Überfahrt nach Formentera alle Seekrank wurden und uns das Lächeln vergangen ist 😀 Als ich Kev fragte, ob er mir für den Kreislauf etwas zu trinken bringt, kam er grinsend mit einem Bier in der Hand zurück: „Die haben nichts anderes“.

 

2. Durch Eigeninitiative finden dich die Richtigen.
Auf den ersten Blick ziemlich verwirrend, nicht wahr? Auf der einen Seite vordere ich dich auf, den ersten Schritt zu wagen und auf der anderen Seite prophezeie ich dir, dass die Richtigen dich finden und nicht andersrum. Wie soll das funktionieren? Ich werde häufig gefragt, wie und wo man neue Freunde am besten finden kann und wie man es schafft, dass diese Personen dann auch die selben Interessen haben. Also erzähle ich an dieser Stelle einfach von einem konkreten Beispiel aus meinem Freundeskreis: Irgendwie spürte ich Ende 2016 bereits, dass sich im neuen Jahr ziemlich viel verändern würde, da auch ich mich stark veränderte und meine Umwelt sich neu zu formen schien. Schon im Sommer begegnete ich Iryna auf vielen Events auf denen ich auch war und ganz gleich ob wir uns nur von weitem anlächelten oder uns Komplimente machten; von mal zu mal wurde sie mir sympathischer. Eigentlich hasste ich Neujahrsvorsätze aber rein aus Spaß nahm ich mir vor, dass die einzige Sache auf meiner Neujahrsliste sein sollte, mich mit ihr zu verabreden, statt darauf zu hoffen, sich wieder zufällig zu begegnen. Unsere erste gemeinsame Nacht (Achtung, Flachwitz.) war ein Volltreffer und so entstand nach und nach ein unzertrennbares Duo. Auch Jenny, die ich kurze Zeit vorher kennenlernte, war aus meinem Leben zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wegzu- denken und ich stellte mir vor wie schön es sei, eine Clique voller Frauen zu haben, die sich gegenseitig unterstützen und zu einem Team werden. So fingen wir an, auch gemeinsam etwas zu unternehmen und lernten dabei wieder andere, großartige Mädels kennen, die zu unserem Vibe passten. Keine von uns wollte „die andere für sich haben“ und unsere Aufgeschlossenheit ermöglichte es uns, der Freundeskreis zu werden, der wir heute sind.

Mach was du liebst und der Rest kommt von allein. Wenn du an diesen Spruch ein „+ hab den Mut auch mal den ersten Schritt zu wagen“ hängst, sind wir bei der Aussage die ich treffen möchte. Neue Leute lernst du nicht in deinem Wohnzimmer kennen. Geh nach draußen und tu die Dinge die du liebst; verfolge deine Hobbys und halte die Augen offen, wer die selben Interessen wie du zu haben scheint. Du musst nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und fragen ob die Person dein Freund werden möchte. Manchmal ist auch schon ein kleines Kompliment der Beginn einer großartigen Zeit!


Girl power beim Hafenfestival 2017. Olivia, Jana, Tara, Vanessa, Iryna, Jenny, Zhenya, Jen:
„Always Remember that If you fall, i’ll pick you up. after i finish laughing!“

 

3. Es muss nicht perfekt sein, nur echt.
Woran man wahre, echte Freunde erkennt? Das werde ich sehr oft gefragt. Für mich ist Freundschaft eine Form von Liebe, bei der es hauptsächlich um das Teilen von Freude und Leid geht. Jemand der dich begleitet und DA ist. Dein Gegenüber sollte dich unterstützen wo es nur geht, sich für dich freuen als wäre es das eigene Glück, in schweren Zeiten für dich da sein und niemals versuchen dich zu verbiegen. Zumindest sind das für mich die wichtigsten Eigenschaften eines wahren Freundes. Es gibt besonders einen Moment auf Ibiza, welcher immerzu in meine Gedanken schießt und wieder einmal bestätigte, dass es wirklich stets um die kleinen Dinge geht: Der Besitzer unserer Ferienwohnung empfohl uns einen schönen, sauberen und trotzdem belebten Strand in der Nähe, zu welchem wir an einem Nachmittag aufbrachen. Dort angekommen konnte ich es kaum erwarten, in das türkise, klare Wasser zu springen um mich abzukühlen. Vom Wasser aus beobachtete ich eine große Gruppe Hippies, die mit Schildern und lauter Musik eine Art „Paradelauf“ veranstalteten und Blumen sowieso Süßigkeiten an Passanten verschenkten. Zu gern hätte ich diesen Moment mit meiner Community geteilt und auf Video festgehalten, was ich sah. Da ich bis zum Hals im Ozean stand, war dies allerdings nicht möglich. Als ich aber wenige Minuten später an unseren Platz zurück kehrte, wedelte Iryna mir mit meinem Handy entgegen: „Fabiiii, ich habe ein Video für dich gemacht, schau !!!“. Eine kleine Geste, die mir zeigte wie gut sie mich kennt und mir immernoch, Tage später ständig im Kopf herumschwirrt.

Nichtsdestotrotz: Wer denkt, den perfekten Menschen an seiner Seite finden zu können, liegt mit dieser Annahme nicht nur in einer Liebesbeziehung falsch, sondern auch beim Thema Freundschaft. JEDER macht Fehler, Bilderbuch- beziehungen gibt es nicht. Das beziehe ich keinesfalls auf eine bestimmte Person, viel mehr auf mich selbst. Blogartikel zu verfassen, bedeutet für mich vorallem eines: Selbstreflektion. Auch ich handle nicht immer richtig, habe Menschen unbewusst verletzt, die ich liebe. Die Message für dich: Auch wahre Freunde werden dich enttäuschen. Natürlich lässt sich ein Fehler nicht verallgemeinern, es gibt sicherlich Dinge die wirklich unverzeihbar sind. Trotzdem geht es aber nicht um die eine Sache, die ein Mensch falsch gemacht hat, sondern um das große Ganze; nämlich all‘ die Dinge. die er eure Zeit über Richtig gemacht hat. Freundschaft muss nicht perfekt sein, nur echt. Und ob sie echt ist, erkennst du daran, ob ihr auch die schwierigen Zeiten gemeinsam meistert oder sich eure Wege wegen falschem Stolz trennen.


„I’m just sure that one of these days someone will read the text messages we send each other and offer us our own sitcom.“

 

>> Unsere Freunde sind die Familie, die wir uns aussuchen können. <<

– Geschrieben für die wundervollen Menschen, die ich meine Freunde nennen darf. –
Ich danke und liebe euch.